Donnerstag, 11.30 Uhr, nach der großen Pause: ein geschäftiges Treiben auf allen Fluren. Kinder mit grünen Ordnern unter dem Arm sausen die Treppen hinauf und hinunter. Alle gehen durcheinander. Offensichtlich ist es den Kindern wichtig, pünktlich zum Unterrichtsbeginn am richtigen Ort zu sein. Was ist los am Donnerstag? Wenn wir die Kinder fragen, erhalten wir zur Antwort: „Wir haben Werkstattunterricht." Aber dann beeilen sie sich, schnell ins Klassenzimmer zu kommen. Werkstatt bedeutet, dass alle 3. und 4. Klässler an diesem Tag für zwei Unterrichtsstunden den Klassenverband verlassen und in einer überschaubaren Gruppe über einen Zeitraum von vier Wochen an einem Thema arbeiten.

Zu Beginn des Schuljahres hat sich jedes Kind aus einer breiten Palette mehrere Themen seines Interesses ausgewählt. Im Laufe des Schuljahres kann es an den dazu angebotenen Werkstätten teilnehmen. Die Themenvielfalt aus allen Bereichen des Faches „Mensch, Natur, Kultur“ ist groß: So kann man sich in Theorie und Praxis einem Künstler nähern, das Mittelalter durch Geschichten, Bilder und eigenes Tun erfahren, im naturwissenschaftlichen Bereich in Versuchen grundlegende Erfahrungen zu Feuer, Wasser oder Luft machen. Es werden Fahrzeuge gebaut oder der Entstehung und Entwicklung der Schrift in verschiedenen Kulturen nachgegangen. Das Sonnensystem ist genauso im Angebot wie Europa mit seinen Ländern und deren Besonderheiten.



Das Besondere am Werkstattunterricht

Hier wird nicht nur geschrieben und gelesen, hier werden Theorie und Praxis in starkem Maße vernetzt.

Die Themen sind spannend aufbereitet. Forschen, Entdecken, Ausprobieren, Herstellen stehen im Vordergrund.

Die Klassenverbände sind aufgelöst, die Kinder treffen sich entsprechend ihrer Interessen in der Werkstattgruppe.

Die Gruppen sind überschaubar, da wir für vier Klassen etwa sechs Werkstätten anbieten.

Die Kinder lernen jahrgangsgemischt. Dritt- und Viertklässler sind zusammen. Die Kinder knüpfen neue Kontakte, sie lernen, sich auf andere einzustellen. Die Großen merken, dass sie den Kleineren immer wieder helfen können. Die Jüngeren freuen sich, mit den Großen in einer Gruppe zu sein.

Die Kinder sind hoch motiviert, sie haben das Thema selbst ausgewählt und treffen auf eine Lehrkraft, die von ihrem Thema auch begeistert ist.



Warum machen wir das?

Das Fach „Mensch, Natur, Kultur“, das Themenfelder aus unterschiedlichen Aspekten beleuchten soll, eignet sich im besonderen Maße für eine solche projektorientierte Vorgehensweise.

So bereitet eine Lehrkraft für ein Schuljahr zwei Themenbereiche aus dem Lehrplan intensiv vor.
Die Vorbereitung selbst ist äußerst aufwändig, denn das Thema muss in seinen unterschiedlichen Aspekten aufbereitet werden: Anschauungsmaterial wird vorbereitet und bereit gestellt. Für die praktischen Arbeiten wird das passende Material gesucht und vorbereitet. Arbeitsanleitungen und Arbeitsblätter werden erstellt. Bücher zum Thema zur Bearbeitung durch die Kinder werden beschafft.

Wenn das alles getan ist, kann die Lerneinheit nun mit verschiedenen Schülergruppen mehrmals im Schuljahr durchgeführt werden. Beim zweiten und dritten Durchgang werden Erfahrungen eingearbeitet und der Unterricht dadurch weiter verbessert.

Die Schüler durchlaufen etwa acht Werkstätten im dritten und vierten Schuljahr. Zahlreiche Themen aus dem Fach MNK werden so abgedeckt.

So gestalten die Kinder sehr interessiert und begeistert ihren Unterricht selbst. Disziplinprobleme oder mangelndes Interesse treten kaum auf. Darüber hinaus macht Werkstattunterricht einfach Spaß - natürlich auch dem Lehrer. Am Ende der Werkstatt steht ein Produkt, eine Präsentation o.ä. Das Ergebnis des Unterrichts ist für alle anschaulich und greifbar. Die Kinder lernen intensiv und nachhaltig. Für die Lehrer bietet der Werkstattunterricht die Chance, mit kleinen, interessierten Gruppen und neugierigen Kindern zu arbeiten.

„Also dann, wir sehen uns nächsten Donnerstag …“

(Susanne Schultz, Frühjahr 2008)



Beispiele ... aus dem Schuljahr 2007/2008



Aus zwölf Projekten konnten unsere Schüler wählen:

Forscherwerkstatt "Luft und Wasser"

Forscherwerkstatt "Vom Feuer zum elektrischen Strom"

Geschichte: Mittelalter

Geschichte: Schrift und Schriftkultur

Erdkunde/Sozialkunde: Europa

Biologie: Rund um die Kartoffel

Technik: Wir bauen Fahrzeuge

Wissenschaft: Weltraumwerkstatt

Geschichte: Nellingen

Geschichte: Dinosaurier

Textilien: Experimente mit Stoffen

Künstler: Manet - ein Künstlerporträt



Drei Beispiele haben wir näher beschrieben und mit Bildern dokumentiert. Sie können dies als PDF-Datei [199 KB] herunterladen.



Beispiele ... aus dem Schuljahr 2008/2009



Vom Feuer zum elektrischen Strom

Wie hat der Mensch das Feuer entdeckt? Wie veränderte es das Leben der Menschen seit der Steinzeit? Unter welchen Bedingungen brennt es? Wie kann man es löschen?
Heute ersetzt der elektrische Strom vielfach das Feuer: Woher kommt er? Wie funktioniert ein Stromkreis? Welche Stoffe leiten den elektrischen Strom?
Die Schüler machen Experimente und Erfahrungen mit dem Element Feuer und dem elektrischen Strom und kommen geschichtlichen Hintergründen und physikalischen Zusammenhängen auf die Spur.




Schriftkultur

Die Schüler stellen Fragen zur Herkunft der ersten Schriften und des Alphabets.
Sie finden geheimnisvolle Zeichnungen und Zeichen und versuchen mittels bereitgelegter Literatur zur entschlüsseln.
Die Schüler ritzen, malen und schreiben auf verschiedenen Materialien die entdeckten Schriftzeichen nach. Mit übersetzbaren Schriften versuchen sie ihren Namen zu schreiben.
Sie entwickeln anhand einer Zeittafel eine Vorstellung von der Entstehung unserer Schriftkultur.





Wasser und Luft

Wenn die „Eisberge“ im Glas schmelzen – wird das Glas überlaufen oder nicht?
Das ist die Frage, die uns beschäftigt. Oder anders ausgedrückt: Braucht Wasser mehr Platz als Eis?
Um das herauszufinden, müssen die Kinder die Gläser, in denen die „Eisberge“ schwimmen, erst einmal randvoll mit Wasser füllen.
Dazu benützt man zweckmäßigerweise eine Pipette, wie wir sie alle von Nasen- oder Augentropfen kennen. Es stellt sich zunächst heraus, dass der Umgang mit der Pipette gar nicht so einfach ist!





Ach und übrigens ...

> die Angebotspalette hat sich deutlich ausgeweitet
> längst sind auch die zweiten Klassen dabei - für sie heißt es montags um 10.30 Uhr: Auf zum Werkstattunterricht!